Mitarbeiterbeteiligungen

Das neue Kreisschreiben 37 der ESTV (Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen) vom 30. Oktober 2020

1. Änderungen der Besteuerung
Die ESTV hat am 30. Oktober 2020 ein Update zum Kreisschreiben Nr. 37 «Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen» publiziert.

Die Änderungen betreffen im Wesentlichen die folgenden Punkte:
Ein vollständig steuerfreier privater Kapitalgewinn wird erzielt, sofern der Wechsel vom Formel- zum Verkehrswertprinzip bei Verkauf erst nach Ablauf einer fünfjährigen Haltedauer vollzogen wird. Für die Bewertung von Mitarbeiteraktien wird neu insbesondere auf die Bewertungsmethodik gemäss Kreisschreiben Nr. 28 der Schweizerischen Steuerkonferenz von 28. August 2008 (Wegleitung zur Bewertung von Wertpapieren ohne Kurswert für die Vermögenssteuer) als taugliche und anerkannte Methode verwiesen. Aktien, die im Zeitpunkt der Gründung einer Gesellschaft erworben werden sowie solche, die ein Mitarbeiter zu Konditionen erwirbt, wie diese einer unabhängigen Drittperson gewährt werden, gelten nicht als Mitarbeiterbeteiligungen.

2. Auswirkungen
a. Verkauf innerhalb 5-Jahresfrist
Der mittels Verkauf von Mitarbeiterbeteiligungen erzielte Gewinn (Differenz zwischen Formelwert im Zeitpunkt der Abgabe und dem nach der gleichen Bewertungsmethode ermittelten Formelwert im Zeitpunkt der Veräusserung) sollte als steuerfreier Kapitalgewinn qualifizieren.

Der erzielte «Übergewinn» aus dem Verkauf von Mitarbeiterbeteiligungen aufgrund einer veränderten Bewertungsmethodik oder einem Wechsel vom Formel- zum Verkehrswertprinzip qualifiziert als steuerbares Einkommen.

b. Verkauf nach Ablauf der 5-Jahresfrist
Die gesamte Differenz zwischen Erwerbspreis und Verkaufspreis qualifiziert entweder als steuerfreier Kapitalgewinn oder unbeachtlicher Kapitalverlust.

Mit Gründeraktien und solchen, die zu Drittkonditionen erworben worden sind, erzielt der Mitarbeiter immer (also auch vor Ablauf der Frist) einen steuerfreien Kapitalgewinn oder einen unbeachtlichen Kapitalverlust.

3. Zeitlicher Aspekt
Die neue 5-Jahresfrist gilt ab dem 1. Januar 2021. Ab diesem Datum ist deshalb eine Besteuerung des «Übergewinns» immer dann nicht mehr zulässig, wenn der Wechsel vom Formel- zum Verkehrswertprinzip ausserhalb der 5-Jahresfrist erfolgt ist.

4. Rulingschutz
Von der neuen Regelung sind Mitarbeiterbeteiligungspläne betroffen, die nach dem 1. Januar 2021 aufgesetzt werden, aber auch bereits laufende Pläne. Betroffene sind daher gut beraten, die Anwendung der Frist in ihrem Fall überprüfen zu lassen. Zudem empfiehlt es sich, bestehende Rulings mit den involvierten Steuerverwaltungen bezüglich möglicher Auswirkungen abzustimmen